Junge Menschen, die eine Affinität für Sprachen haben, sich für fremde Kulturen interessieren und im Bereich der Kommunikation tätig sein möchten, haben in Deutschland die Möglichkeit, den Studiengang “Übersetzungswissenschaften” zu studieren. Ich selbst habe diesen Weg eingeschlagen und werde nun häufig mit der Frage konfrontiert: Übersetzen, ist das denn eine Wissenschaft?

Der Aufbau eines übersetzungswissenschaftlichen Studiengangs kann von Universität zu Universität variieren, doch eines ist klar, Studenten in diesem Bereich besuchen eine Vielzahl an Kursen und Seminaren, die über blosse Übersetzungsübungen weit hinaus gehen. In den ersten Semestern erhalten die Studenten wichtige Grundlagen in den Bereichen Sprachwissenschaften, Übersetzungstheorie, Übersetzungsgeschichte, Kulturwissenschaften sowie in einem Ergänzungsfach (Jura, Wirtschaft oder Medizin). All diese Seminare und Vorlesungen bieten den angehenden Übersetzern eine Basis für ihre Arbeit mit verschiedensten fremdsprachlichen Texten in den praktischen Übersetzungsübungen. Auch der richtige Umgang mit Wörterbüchern (zweisprachigen, einsprachigen oder fachsprachlichen), effiziente Internetrecherche und wissenschaftliches Arbeiten (zum Erstellen von Seminar- und Hausarbeiten) stehen auf dem Lehrplan. Ausserdem ist es die Aufgabe eines jeden Übersetzers, seine jeweiligen Fremdsprachen zu trainieren und auch hinsichtlich der politischen Situation der jeweiligen Länder auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Somit lernt ein Student der Übersetzungswissenschaften all diese verschiedenen Gebiete – Theorie, Grammatik, Kultur, Politik etc. – miteinander zu verbinden, um schlussendlich eine, auf breite Kenntnisse fundierte, hervorragende Übersetzung anfertigen zu können. Der Studiengang besteht demnach darin, mehrere Fachgebiete zu verknüpfen und durch diese Verbindung entsteht eine ganz eigener Fachbereich: die Übersetzungswissenschaft. Das Übersetzen von Sprachen ist bereits so alt wie die Sprachen selbst. Im Laufe der Zeit haben sich viele Sprachwissenschaftler mit diesem Gebiet beschäftigt (z.B.: Albrecht, Koller, Snell-Hornby, etc.), Theorien entwickelt, Analyseverfahren konzipiert, translatorische Phänomene erforscht und somit das Gebiet der Übersetzung zu einer Wissenschaft erhoben.

Ein Übersetzer ist wie ein Fährman: Er setzt einen Text von einem sprachlichen Ufer über zu einem anderen und schafft somit eine Verbindung zwischen beiden Sprachen. Aus diesem Grund handelt es sich bei der Translatologie (wie die Übersetzungswissenschaft auch genannt wird) nicht nur um eine untergeordnete Form der Sprachwissenschaft, denn der Übergang von einer Sprache in eine andere befasst sich nicht nur mit dem Erforschen einer einzelnen Sprache, sondern schafft sprachliche sowie kulturelle Brücken zwischen Ausgangs- und Zielkultur. Demnach hat die Kunst des Übersetzens den Rang der Wissenschaft redlich verdient. Sie ist eine flexible Wissenschaft, eine Wissenschaft, die mit der Zeit geht und den Wandel der Kulturen in einer globalisierten Welt erfassen muss. Gleichzeitig ist sie unsterblich, denn solange es Sprachen gibt, brauchen wir Übersetzungen.

 

Svenja Ohlsen, Praktikantin bei Tele World Linguistic Services